Time-Timer

Der Time-Timer hat mein Leben nachhaltig verändert. Nicht nur kann ich meinem Sohn zeigen, wie lange er warten muss, bis etwas anfängt; ich kann auch zeigen wie lange er etwas machen darf. Z.B. Fernsehen. Die rote Scheibe, die langsam verschwindet macht auch einem Dreijährigen deutlich, wie lange es noch dauert bis…

Gemeinsam kochen. Spielzeug mit dem Bruder abwechseln. Mama telefonieren lassen. Warten bis Papa kommt. Ins Bett gehen müssen.

Es gab eine Phase, da habe ich fast alle zeitlichen Ankündigungen mit dem Time-Timer visualisiert. Es gibt dem Kind eine gewisse Kontrolle über sein Leben. Das Ausschalten des Fernsehers ist immer von Geheul begleitet. Aber der Time-Timer führte dazu, dass die Kinder lernten, ab und zu einen Blick auf die rote Scheibe zu werfen und bewusst wahrzunehmen, dass die Fernsehzeit immer noch andauert, aber bald zu Ende sein wird. Es war wie ein Lautstärkeregler, der nach und nach das Geschrei leiser werden ließ. Wenn nicht alles immer aus heiterem Himmel passiert, sondern absehbar ist, dann schafft es Akzeptanz im Kind. Vorhersehbarkeit ist so wichtig und ich bin viel zu oft davon ausgegangen, dass mein Sohn ja weiß, was danach passiert. Aber er wusste es nicht und hat sich über den Wechsel der einen Phase zur nächsten jedes Mal beschwert. Bis der Wechsel für ihn vorhersehbar und damit auch planbar wurde. Und da der Time-Timer nicht immer nur ein Ende von Etwas signalisierte, sondern genauso gut den Anfang von etwas Schönem ankündigen konnte, hatte das Piepen niemals einen negativen Klang.

Mittlerweile habe ich zu Hause keinen Time-Timer mehr im Einsatz. Aber meine Erstklässler in der Schule lieben ihn immer noch, um zu sehen, wann endlich große Pause ist. Piep piep

(S.J.)

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